Schule

Das Ende einer Ära – Ein Interview mit unserem Lehrer Martin Ruf

Er führte dutzende Schüler zur Abschlussprüfung, betreute unser Projekt eigenleben und sorgte für einige Lacher.
Doch irgendwann ist auch für Lehrer einmal Schluss. So ist es auch bei unserem Lehrer Martin Ruf, der nach 38 Jahren Lehrerdasein, mit uns das Ende seiner Amtszeit einläutet.

Eigenleben: Lieber Herr Ruf, Sie gehen mit uns in Ihre letzte Saison an der Klara-Oppenheimer-Schule. Wird es Ihnen da nicht ein bisschen wehmütig ums Herz?

Ruf: Wer seit 1983 im Berufsschuldienst ist, darf mit dann 38 Jahren Lehrerdasein in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Sicherlich ist etwas Wehmut dabei, aber eigentlich freue ich mich richtig auf die Zeit danach.

Eigenleben: Wie wird denn die Zeit danach aussehen? Wird es Ihnen nicht langweilig, so ganz ohne Schule?

Ruf: Ich hoffe doch nicht, denn wir – meine Frau und ich – haben noch so viele Punkte auf unserer „Löffelliste“ stehen, die wir in den nächsten Jahren abarbeiten wollen. Vorrangig werden es Reisen in ferne Länder – so sie denn wieder möglich sind – sein, die ganz oben auf der Liste stehen. Mehr Zeit bleibt auch für gemeinsame Rad- oder Wandertouren. Daneben sorgen sicherlich unsere Enkelkinder dafür, dass es dem Opa nicht langweilig wird.

Eigenleben: Wir erleben Sie fast immer gut gelaunt, wenn Sie zu uns in den Unterricht kommen. Sind Sie ein Lehrer aus Leidenschaft?

Ruf: So kann man das wohl sagen. Eigentlich gab es in der Zeit meines Lebens nur zwei Berufswünsche: Lehrer werden und wenn das nicht klappt, dann Schreiner. Soweit ich mich zurückerinnern kann, wollte ich immer einen Beruf haben, der mit Menschen zu tun hat. Ursprünglich wollte ich Grundschullehrer werden, aber leider waren zu Beginn meines Studiums die Zukunftsaussichten so schlecht, dass ich mich 1977 zu einem Wirtschaftspädagogikstudium entschloss, um Diplom-Handelslehrer und damit Lehrer an beruflichen Schulen zu werden. Übrigens ein Schritt, den ich bis heute nicht bereut habe. Ja, ich bin ein  Lehrer aus Leidenschaft, weil es mir auch nach 38 Jahren immer noch sehr viel Spaß macht, junge Menschen bei ihrem Start in das Berufsleben zu begleiten. Bis heute habe ich noch nicht erlebt, dass ein/e ehemalige/r Schüler/in die Straßenseite wechselt, um mir aus dem Weg zu gehen. Sie hatten ja Jochen Eichelmann, Verlagsleiter der Fränkischen Nachrichten,  zu einem Redaktionsgespräch zu Besuch. Bei seiner Berufskarriere freue ich mich, dass ich zweieinhalb Jahre sicher einen wichtigen Grundstein legen durfte.

Eigenleben: Es scheint aber bestimmt nicht immer nur Sonne über Ihr Berufsleben. Haben Sie auch Schattenseiten erlebt?

Ruf: Eigentlich nicht wirklich. Sehr betroffen war ich, als im Zuge der Kompetenzzentrumsbildung von beruflichen Schulen meine Fachgruppe Medien-, Industrie- und Bankberufe auf die Medienberufe geschrumpft wurde. Ein anderer Punkt war, als unserer Schule im Zuge von Sparmaßnahmen der Stadt Würzburg die Berufsoberschule Wirtschaft, an der ich lange Zeit BWL und Rechnungswesen unterrichtet habe, genommen wurde. Heute nervt mich manchmal, dass der Einstieg in das Berufsleben oft nur als Beruf zum Geldverdienen und nicht mehr als Berufung gesehen wird. Dazu beigetragen hat auch der „Handywahn“, der viele zwischenmenschliche Kontakte zum Erliegen gebracht hat.

Eigenleben: Wenn Sie frei entscheiden könnten, was würden Sie am Schulsystem ändern?

Ruf: Eigentlich gar nicht so viel. Der „Corona-Unterricht“ hat nicht nur mir gezeigt, dass Schule ohne Lehrer und Präsenzunterricht nicht geht. Wünschen würde ich mir, dass der Hype um die Digitalisierung der Schulen wohler überlegt wird und nicht Milliarden zum Fenster hinausgeschmissen werden, um die Schulen mit Hardware aufzurüsten. Corona hat aber auch gezeigt, dass es ohne Digitalisierung nicht geht. Es ist jedoch dringend notwendig, viel Wert auf methodisch-didaktische Konzepte zu legen und dann erst die Schulen sinnvoll auszustatten. Immer dafür zu kämpfen lohnt sich m. E., dass in den Klassen max. 16 Auszubildende sitzen – die aktuelle Situation mit den geteilten Klassen zeigt das sehr deutlich auf.

Eigenleben: Lieber Herr Ruf, wir wünschen Ihnen in Ihrem Sabbatjahr und der darauffolgenden Zeit viel Spaß, schöne Momente mit Ihrer Familie und tolle Erfahrungen auf Ihren bevorstehenden Reisen und uns zusammen noch eine erfolgreiche letzte Saison.

Ruf: Vielen Dank und ich verspreche euch, dass wir auch diese Saison wieder erfolgreich beenden werden.

Text: Celine Jäger,

Vogel Communications Group

Text: Tamara Paa,

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