Aktuelles eigenleben erklärt

„The only thing more powerful than hate is love“

Warum Bad Bunnys Super Bowl Halbzeitshow mehr war als nur eine riesige Party 

Als Bad Bunny am 08. Februar 2026 beim Super Bowl auftrat, sahen ihm weltweit rund 135 Millionen Menschen zu. In nur 14 Minuten verwandelte der Superstar aus Puerto Rico die größte Bühne der USA in ein lebendiges Straßenfest, inklusive geschichtlichen Hintergründen und politischen Zeichen. 


  1. Das Zuckerrohrfeld 

Die Show begann in einem Zuckerrohrfeld. Hier beginnt auch der erste Aspekt mit geschichtlichem Hintergrund. Im 16. Jahrhundert führten die spanischen Kolonialherren den Zuckerrohranbau ein. Es entstanden große, durch Sklaverei betriebene Plantagen. Ende des 19. Jahrhunderts übernahmen schließlich die USA Puerto Rico im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges. Amerikanische Unternehmen kontrollierten die Zuckerproduktion und schöpften enorme Gewinne ab. 


  1. Rekonstruktion der Alltagskultur 

Während Bad Bunny weiter durch das Feld schritt, verwandelte sich die Bühne in ein lebendiges Straßenpanorama Puerto Ricos: 

  • Junge Frauen im improvisierten Nagelsalon  
  • Verkaufsstände mit Schmuck, Tacos und Piragua (karibisches Eis) 
  • Ein „Coco Frio“-Stand mit frischem Kokoswasser 

Hier ging es um Gemeinschaft, Nachbarschaft und Identität – genau die Themen seines Albums Debí Tirar Más Fotos, welches dieses Jahr sogar den Grammy als „Album des Jahres“ gewann. Diese Auszeichnung wurde erstmalig an ein komplett spanischsprachiges Album vergeben. 


  1. „Lo Que Le Pasó a Hawaii“ 

Ricky Martin sang diesen Song, der Puerto Rico mit Hawaii vergleicht. Auch Hawaii war eine Zuckerkolonie der USA. Der Text warnt vor offizieller US-Staatswerdung, Gentrifizierung, vor Verdrängung einheimischer Gemeinschaften und vor wirtschaftlicher Übernahme durch Investoren. 

„Sie wollen mir meinen Fluss und auch meinen Strand wegnehmen 

Sie wollen meine Nachbarschaft und dass Oma verschwindet 

Nein, lasst die Flagge nicht los und vergesst nicht die lelolai* 

Denn ich will nicht, dass sie mit dir machen, was sie mit Hawaii gemacht haben.“ 
 

*ein traditioneller Sprechgesang aus Puerto Rico, der tief in der Jíbaro-Volksmusik verwurzelt ist. Es ist ein Markenzeichen der Kultur und wird oft als Ausdruck von Heimatgefühl und Tradition verstanden. Mit Jíbaro sind puerto-ricanische Landwirte gemeint. Der Begriff galt früher eher abwertend, aber heute steht der Begriff stolz für die Wurzeln, die ländliche Kultur und Identität der Menschen in Puerto Rico.  


  1. Kritik am System mit „El Apagón“ 

„El Apagón“ bedeutet übersetzt „der Stromausfall“. Auf der Bühne wird der Ausfall des Stromnetzes simuliert, und Tänzer*innen klettern die Strommasten hinauf. Nach Hurrikan Maria im Jahre 2017 erlitt Puerto Rico den längsten Stromausfall der US-Geschichte. Die Privatisierung der Energieversorgung verschärfte die Probleme massiv. Noch an Weihnachten 2025 kam es zu massiven Blackouts.  

Bad Bunny hat die Energiegesellschaft LUMA schon früher öffentlich kritisiert. Beim Superbowl zeigte er stattdessen Bilder von Menschen, die versuchen, das System am Laufen zu halten, während der Staat versagt.  


  1. Die Flagge mit dem hellen Blau 

Besonders aufgeladen war die puerto-ricanische Flagge mit hellblauem Dreieck, die Bad Bunny trug. Diese Farbvariante entspricht der ursprünglichen Flagge und ist eng mit der Unabhängigkeitsbewegung verbunden. Auch Stargast Lady Gaga griff das Farbschema auf, in einem hellblauen Kleid mit der roten „flor de maga“, Puerto Ricos Nationalblume. 


  1. ICE 

Die Show fand in einem politisch aufgeheizten Klima statt. Diskussionen über Migration, ICE-Razzien und Grenzpolitik sind in den USA allgegenwärtig. Der Künstler hatte zuvor angekündigt, während seiner Welttournee in keiner US-Stadt aufzutreten, aus Sorge vor möglichen ICE-Razzien bei seinen Konzerten. Am Ende seines Auftrittes rief Bad Bunny „God bless America“ und zählte anschließend alle Länder Nord-, Mittel- und Südamerikas auf. Hinter ihm zogen ihre Flaggen vorbei. Diese Symbolik verdeutlicht die panamerikanische Solidarität. Die Botschaft: „Amerika“ ist mehr als nur die USA. Amerika ist ein ganzer Kontinent.  

Natürlich blieb das nicht ohne Reaktion. Donald Trump kritisierte die Show scharf. Niemand würde ein Wort verstehen, die Performance sei ein „Schlag ins Gesicht“ für das Land. Dass ein Künstler die größte Bühne Amerikas nutzte, um zu zeigen, dass „Amerika“ ohne Lateinamerika nicht denkbar ist, war für den Präsidenten wahrscheinlich eine große Ego-Kränkung.  

„The only thing more powerful 
than hate is love.“

 Bad Bunny zeigte, dass Widerstand nicht nur durch Konfrontation funktioniert, sondern durch Sichtbarkeit, Stolz und kollektive Freude. Identität kann man feiern, statt sie zu verstecken. Und Liebe, verstanden als Zusammenhalt, kann stärker sein als Hass. 

Bildquellen und Informationen: https://apnews.com/article/bad-bunny-super-bowl-halftime-show-symbols-4252e3495e2b716b1be9064d5821b61e 

Text: Eda Tekin

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